"Der große Sommer" von Ewald Arenz

 

 

Die Zeichen auf einen entspannten Sommer stehen schlecht für Frieder: Nachprüfungen in Mathe und Latein. Damit fällt der Familienurlaub für ihn aus. Ausgerechnet beim gestrengen Großvater muss er lernen. Doch zum Glück gibt es Alma, Johann - und Beate, das Mädchen im flaschengrünen Badeanzug. Ausgezeichnet als 'Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels 2021'.

 

Es ist eine dieser Geschichten, in die man völlig eintaucht, wie nach einem Sprung vom Siebeneinhalb-Meter-Brett im Freibad. 

Neben den vielen bildreichen, poetischen Beschreibungen

und klugen Gedanken, gefiel mir vor allem, welche Erinnerungen an meine Jugend in mir wach wurden. Nee, erlebt habe ich all das nicht, aber das Gefühl der Freiheit, die Abenteuerlust, das sich verlieben...lang, lang ist es her, aber immer noch da.

Arenz schafft es, das wir die Sommerhitze fühlen, den Chlor und frisch gemähten Rasen und die Pommes im Freibad riechen, und spüren, wie die toll gezeichneten Charaktere sich immer intensiver verbinden und ist fast traurig, wenn es vorbei ist. Ganz anders als "Alte Sorten" aber eigentlich auch wieder nicht:). Klare Leseempfehlung!

 

 

"Das Geheimnis von Zimmer 622" von Joel Dicker

 

 

Krimi? Autobiographie? Familiensaga? Von allen ein bisschen, denke ich ist dieser großartige Roman von einem meiner Lieblingsautoren.

Der Schriftsteller Joel Dicker (ja, der Autor ist selbst Figur im eigenen Roman!) reist von Genf in die Schweizer Alpen, um sich im noblen Hotel Palace de Verbier um die Trennung von seiner Freundin zu verschmerzen und seine Ferien zu genießen.

Bei seiner Anreise entdeckt er, dass es Zimmer 622 nicht gibt und macht sich mit Scarlett, seiner Zimmernachbarin, auf Spurensuche. In Zimmer 622 wurde vor gut zehn Jahren ein Mord begangen und das Zimmer "getilgt".

Wechselnde zeitebenen tragen uns durch die Nachforschungen im hier und jetzt aber auch durch die Ereignisse  und Entwicklungen der Jahre zuvor.

 

Es ist nicht wirklich ein Kriminalroman, da nicht die Ermittlungen eines Kommissars im Vordergrund stehen. Wir tauchen ein in die Geschichte der Bankiersfamilie Ebnezer, das Geschehen des Nobelhotels und in die Genfer Finanzwelt. Es rollt sich eine Geschichte aus Verrat, Machtgier, Rache, Eifersucht, Liebe und Intrigen vor uns aus, die durch ihre differenziert und in Teilen aberwitzig ausgestalteten Charaktere spannend und verschachtelt wird und uns an dem wunder teilhaben lässt, das Joel Dicker zum guten Ende nicht selbst den Überblick verloren hat. Eine Leseerlebnis!

"Der Markisenmann" von Jan Weiler

 

"Mumbai" oder "Kopenhagen"?

 

Das ist fast wie Pest oder Cholera... Findet zumindest die fünfzehnjährige Kim, als sie entdeckt, mit was ihr Vater seinen Lebensunterhalt bestreitet. Er ist Klinkenputzer, versucht Markisen an den Mann, beziehungsweise an die Frau zu bringen, deren Design (zwei Muster zur Wahl) an Hässlichkeit kaum zu überbieten sind.

Sechs Wochen Sommerferien wird Kim bei ihrem Vater verbringen, von dem sie nichts weiß und den sie nie kennengelernt hat. Wegen des "Vorfalls" sind ihre Mutter, der Stiefvater und Stiefbruder ohne sie in die Ferien geflogen und Kim sitzt in der Lagerhalle ihres Vaters mitten im Pott und wird in diesem Sommer ein bisschen erwachsen.

 

Jan Weiler erzählt eine sehr witzige, kurzweilige, aber auch nachdenklich stimmende Geschichte.

Schallend gelacht habe ich über die Haustürgeschäfte von Vater und Tochter, die Sitten in Rosis Pilstreff und die Skatturniere in Rheinhausen...

Gelernt habe ich einiges über Eisdielen und Imbissbuden im Ruhrgebiet, über das Lebens als Handelsvertreter, über die DDR und deren Bespitzelungssystem und über das Leben von Kim, ihrem Papa und seiner bewegenden Geschichte..

Und Musik gibt's auch zum Buch, per QR-Code. Großartig mit viel Lokalkolorit!

 

Fishergirl's Luck von Sharon Gsoling

 

Hier lernen wir Anna kennen, Ende dreißig, Köchin in London. Sie hta sich von ihrem langjährigen Freund, unter dessen Fuchtel sie in dessen Sterne-Restaurant klein gehalten wurde. Um möglichst weit weg zu kommen und ganz von vorne anzufangen, kauft sie sich ein winziges Cottage in einem kleinen Fischerdorf an der schottischen Küste. schnell findet sie Anschluss in der Dorfgemeinschaft, schließt Freundschaften mit den Nachbarn und ihre Lust am Kochen und entdecken neuer Rezepte kehrt wieder. Kurzerhand eröffnet sie ein kleines improvisiertes Restaurant, welches schnell in aller Munde ist...und natürlich lässt auch eine neue Liebe nicht lange auf sich warten. Aber dann kommt alles etwas anders als gedacht...

 

Ein schöner, wenn auch leichter Unterhaltungsroman, mit dem uns Sharon Gosling verzaubert. Unaufgeregt lebt er durch die alltäglichen Vorkommnisse in dem kleinen Fischer- und Touristendörfchen und holt uns an den langen Winterabenden den Sommer zurück. Auch wenn alles etwas vorhersehbar ist, ein Lesevergnügen!

 

"Eine Frage der Chemie" von Bonnie Garmus

 

Das Cover und die Tatsache, dass das Buch seit Wochen auf der Bestsellerliste ganz oben steht, hätten sich eigentlich vom Lesen abgehalten. Aber die unbedingte Leseempfehlung meiner Lieblingsbuchhändlerin und ehemaligen Kollegin, haben es mich dann doch kaufen lassen und ich wurde wirklich überrascht - hinter dem Cover versteckt sich eine ausgeklügelte Geschichte um Wissenschaft, Feminismus, Machtmissbrauch und Liebe.

 

Wir dürfen das Leben von Elizabeth Zott ein Stück weit begleiten. Elizabeth arbeitet in den 50er/60er Jahren im wissenschaftlichen Bereich eines Forschungsinstituts, das zu jener Zeit von Männern dominiert wurde, die nur wenig Verständnis für Frauen in ihren Reihen aufbringen. Und genau das bekommt Elizabeth zu spüren. Sie wird nicht nur (trotz, oder gerade wegen ihrer Intelligenz und ihres Fachwissens) immer wieder belächelt und infrage gestellt, sondern auch Opfer sexueller Übergriffe.

 

Einzig Calvin Evans behandelt sie nicht wie einen Menschen zweiter Klasse. Er ist von ihrer Intelligenz und ihrer ehrlichen, direkten und unangepassten Art fasziniert. Die beiden scheinen perfekt zueinander zu passen, bis ein Schicksalsschlag alles verändert und Elizabeth plötzlich andere Wege gehen muss...

 

Bonnie Garmus hat mit Elizabeth Zott eine starke, feministische Figur geschaffen, mit Ecken und Kanten und mit manchmal ungewolltem Humor.

Sie hat mich lachend, weinend, begeistert, fasziniert und vor allem nachdenklich zurückgelassen. ein Muss in diesem Leseherbst- und winter!

Kontakt:

LandFrauenverband Rönsahl

Ute Velten

Kampweg 10
58566 Kierspe


Tel.: 02269 180634 

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26. und 27.November 2022

 

 

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